Corrida da Liberdade
Donnerstag, 13. Januar 2011, der grosse Tag für die Mädchen der Laufgruppe „Tudu cool“ aus Calheta ist da. Sie sind angemeldet für die Teilnahme am grössten Breitensportanlass in Cabo Verde.

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Obschon der Laufsport auf den Kapverdischen Inseln eine reine Randsportart darstellt, haben sich doch rund 1‘500 Läuferinnen und Läufer für den Anlass angemeldet. Gestartet wird in zwei Kategorien. 4 km für die Gruppe Breitensport und 10 km für diejenigen die es doch schon etwas engagierter angehen lassen.
Der Lauf wird organisiert durch die Camara Municipal der Stadt Praia und mitgetragen vom Leichtathletikverband der Atlantikinseln. Ebenfalls sorgen zahlreiche Sponsoren für ein ordentliches Preisgeld. Welches aber in keiner Weise verglichen werden kann mit ähnlich gelagerten Anlässen in Europa.
Den Organisatoren ist es gelungen die Portugiesische Goldmedaillengewinnerin im Olympia-Marathon von 1996 Atlanta und zweimalige Olympiamedaillengewinnerin im 10‘000 M-Lauf, Fernada Ribeira zur Teilnahme einzuladen. Ebenfalls angesagt sind sämtliche Spitzenathleten der verschiedenen Inseln, so dass am Lauf tatsächlich alles was Rang und Namen hat an den Start gehen wird.



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Bereits Wochen vorher war der grosse Lauf dauernd Thema bei den Mädchen der Laufgruppe. „Haben wir genug trainiert?“, „Mögen wir die Distanz auch wirklich durchhalten?“, „Finde ich den überhaut den Weg?“ waren Fragen die verschiedentlich auftauchten. Aber auch Worte wie „Dieses Mal verliere ich weniger Zeit auf die Spitzenläuferin der Insel Santiago“ oder „Ich will möglichst weit vorne in der Rangliste stehen“, zeigten das mittlerweile der Ehrgeiz sich durchzusetzen beginnt.
Schlussendlich entschieden sich 11 Mädchen für die Teilnahme am grossen Lauf und 4 für die kürzere Distanz. Dabei mussten wir bei den Organisatoren die Bewilligung einholen, dass unsere Mädchen, welche in der Mehrzahl jünger als 18 Jahre sind, überhaupt am Lauf teilnehmen durften. Wir mussten versichern dass sie effektiv in der Lage sind die Distanz zu bewältigen. Zu den Läuferinnen der Langdistanz gesellten sich auch die „Trainingslaufhasen“, Duche, Bernardino und Beat.
Um 07.30 Uhr war Besammlung angesagt. Vor der Zeit ist der Fahrer des Aluguer (Sammeltaxi), welcher die Gruppe nach Praia und wieder zurück fahren soll, bereits eingetroffen. Also der Transport war schon mal sichergestellt. So nach und nach trafen auch die Läuferinnen ein. Leider fehlte aber diejenige Person, welche für die Startenden noch die Startnummern abholen sollte, was doch langsam zu einer gewissen Nervosität (zumindest unter den europäischen Begleitern) hervorrief. Da dieser auf die diversen Telefonanrufe auch nicht reagierte, blieb nichts anderes übrig bei ihm zu Hause vorbeizufahren und zu schauen was Sache ist. Und...mit verschlafenen Augen fand auch er noch Platz im Fahrzeug. Mit der damit für die Kapverden üblichen Verspätung ging es dann los Richtung Praia. Es war ungewöhnlich ruhig im Fahrzeug. Die Anspannung sorgte dafür dass für einmal der sonst gewohnte Redefluss ausblieb. Jede Athletin war wohl bereits in Gedanken, was da nun auf sie zukommen würde.
In der Hauptstadt Praia und damit dem Startort angekommen, war rasch klar, dass sich die Mädchen heute mit einer viel grösseren Anzahl Teilnehmern auseinandersetzen mussten als in den bisherigen Läufen gewohnt. Der „Startnummernorganisator“ machte sich auf den Weg zu seiner Arbeit und die Mädchen musterten ihre Gegnerinnen. Kurz vor der effektiven Startzeit war es dann soweit, jedes Mitglied der Laufgruppe hatte seine Startnummer und so stand einem Start nichts mehr im Wege. Etwas zaghaft reihten sich die Mädchen in den Pulk der Läuferinnen und Läufer ein und schon ging es los. Es war ein illustres Starterfeld, bunt gemischt zwischen Jung und Älter, Männlich und Weiblich.



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Der erste Streckenabschnitt führte mitten durch das Zentrum der Hauptstadt und in der Folge durch verschiedene Aussenquartiere. Steigungen, flache Abschnitte und Gefälle sorgten für einen abwechslungsreichen Lauf.



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Besonders im Gebiet des Zentrums der Stadt säumten zahlreiche Zuschauer die Strecke und feuerten die Teilnehmer lautstark an. Für einmal hatten die Sportler und Sportlerinnen Vorfahrt vor dem Strassenverkehr. Dafür sorgte das grosse Polizeiaufgebot, welches an den neuralgischen Punkten dafür sorgte, dass die Automobilisten ebenfalls in den Genuss der Zuschauerrolle kamen. Es war schlichtweg beeindruckend wie es den Ordnungshütern gelungen ist die Laufstrecke ab zu sichern.
Der sportliche Teil des Laufes entwickelte sich so wie es zu erwarten war. Bei den Männern verabschiedete sich der grosse Favorit Adilson Spencer schon rasch von seinen Gegnern und lief ein einsames Rennen an der Spitze. Ebenfalls die routinierte Marathonläuferin aus Portugal liess keinen Zweifel darüber aufkommen, wer bei der weiblichen Konkurrenz das grösste Treppchen bei der Siegerehrung besteigen würde.
Hinter diesen beiden entwickelte sich aber ein intensiver „Kampf“ um die Ränge. Nach rund 3 ½ km wurde das Läuferfeld aufgeteilt. Die Teilnehmer welche den 4km Lauf absolvierten, wurden „ausgefiltert“ und auf den Streckenabschnitt welcher zum Zieleinlauf führte, dirigiert. Derweil die Teilnehmer am grossen Lauf eine erste längere Steigung in ein Aussenquartier unter die Füsse nahm.
Unsere mutigsten Läuferinnen versuchten sich tatsächlich an die Fersen der einheimischen Spitze zu heften. Mussten aber in der Folge doch erkennen, dass noch etwas fehlte um wirklich ganz mithalten zu können. Zudem wurde unsere „Favoritin“ von Bauchkrämpfen geplagt, welche es nicht zuliessen, dass sie ihre volle Leistung abrufen konnte.
Gespannt warteten die Betreuer am Ziel schlussendlich auf den Einlauf. Die Favoriten liefen in der erwarteten Reihenfolge ein. Als erster unserer Laufgruppe erschien Duche, einer unserer Lauftrainer auf dem durch viele Zuschauer gesäumten Schlussabschnitt. Zahlreiche grössere und kleinere Cabo Verde Fahnen und Fähnchen wurden durch diese geschwungen und sorgten bei alle Teilnehmern für einen emotionalen Einlauf.




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Bald darauf sorgten unsere Mädchen aber für Jubelgefühle. Auf den Plätzen 6, 7 und 8 der Frauenkonkurrenz liefen sie über den Zielstrich. Mit den Rängen 11 und 13 gelang es zwei weiteren sich in die preisberechtigten Plätze zu laufen. Als nächster der Laufgruppe erschien der Veteran und Projektleiter etwas gezeichnet am Ziel. Die weiteren sechs Mädchen erreichten ebenfalls das Ziel und erzielten damit in erster Linie einen ganz persönlichen Sieg. Sie hatten alle die 10 km Distanz bewältigt und wurden damit für ihre Trainingsarbeit belohnt.



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Vor ¾ Jahren wäre dies alles noch nicht denkbar gewesen. Wer sich an die zaghaften Versuche erinnern mag, den Mädchen den Laufsport näher zu bringen und dabei auch in Erinnerung behalten hat, wie die ersten Trainingslektionen abgelaufen sind, der durfte mit sehr viel Freude die nun erreichten Ergebnisse zur Kenntnis nehmen. Die Mädchen und jungen Frauen haben sich in dieser Zeit positiv in persönlicher Hinsicht entwickelt. Das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl ist merklich gestiegen. Damit sind wir auf dem richtigen Weg für die von uns in gemeinsamer Zusammenarbeit mit unserem Hauptsponsor für die Mädchenlaufgruppe "Brooks Schweiz" gesetzten Ziele im Projekt der Academia.

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Wir alle freuen uns auf die weitere Entwicklung der Läuferinnen. Winkt fünf von ihnen im Juni 2011 doch die erstmalige Teilnahme am grössten "Frauenlauf" in Europa, welcher in der Stadt Bern durchgeführt wird. Die bevorstehende Reise in die Schweiz ist ganz sicher Ansporn weiterhin fleissig die Trainings,- und Englischlektionen zu besuchen.
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